Film

Klassenfahrt im September 1961

Ein Film von Peter Wicke

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Der zum Teil sehr verwackelte Film hat historischen Wert. Am MK machten die Oberprimen ½ Jahr vor dem Abitur eine Klassenfahrt nach Berlin. Für unseren Jahrgang war der September 1961 lange vor dem Mauerbau geplant und vorbereitet. Es gab lange Diskussionen, ob wir wegen der Mauer fahren sollten oder nicht. Die Schule war dagegen, Eltern und Schüler dafür. Die Auflage war, dass wir den Ostsektor nicht betreten durften, da wir als Westdeutsche trotz Mauer nach Ostberlin über den Bahnhof Friedrichstraße einreisen durften. Im Film spielt der Bahnhof Friedrichstraße eine große Rolle, denn wir waren alle dort. Wir waren Kuriere für Berliner Familien, da weder Post noch Telefon funktionierten. Der Erste, den wir am Bahnhof Friedrichstraße trafen, war unser Klassenlehrer. Wir haben viel gelacht und ihm versichert, dass wir ihn nicht erkannt haben. Konrad Siebecke war im Übrigen auch der einzige Lehrer, der bereit war, als Aufsicht mitzufahren.

Peter Wicke hat die Aufnahmen gemacht und zusammengeschnitten. So kommt es, dass der Teil Aschinger versehentlich nach der Abfahrt kommt. Aschinger kannte jeder jugendliche Berlinreisende und Berlinbewohner. Das war so etwas wie eine Sozialküche am Bahnhof Zoo. Es gab sehr preiswert nur Erbsensuppe mit oder ohne Wurst. Auf den Stehtischen lag Brot, von dem man so viel essen konnte, wie man wollte, aber nichts mitnehmen durfte.

Am Ende der Fotos aus der Schulzeit sind 8 Fotos von der Berlinfahrt, aus denen hervorgeht, dass wir nicht nur an der Mauer, beim Senat und in Ostberlin waren. Beim Organisieren von Mädchenklassen für Feten war unser Jahrgang schon immer legendär. Zu nennen wäre nur der Tanzstundenquizz und der Blinddarm.

Einige Kommentare zum Film: mit dem Bus fuhren wir die 230 km auf der Interzonenstrecke über Helmstedt/Marienburg nach Berlin. Die scherzhaften Versuche, per Anhalter zu fahren, sollten zeigen, dass unsere Unterkunft zwar komfortabel, aber doch sehr weit draußen lag. Mit dem Bus machten wir eine Stadtrundfahrt mit Halt an der Gedächtniskirche und dem Kudamm. Von der dritten bis zur fünften Minute sieht man das Brandenburger Tor noch ohne Mauer aber mit Mauer daneben. In der siebten Minute sieht man einen Blick ins Olympia-Stadion. Alles andere erscheint selbsterklärend.  

Am Ende des Films schlafen Kalle und Detlef den Schlaf der Gerechten und zeigen symbolisch, dass wir auch die Eierschale und die Hasenheide (1979 platt gemacht) „besichtigt“ haben.

Kontakt

Jahrgang 1962

MARTINO KATHARINEUM · BRAUNSCHWEIG

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